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Die Stiftung

Heute ist Zukunft!

Ines Miersch-Süß, Präsidentin

INTERVIEW mit Ines Miersch-Süß, Präsidentin der MSAO FUTURE FOUNDATION, über die Ziele der Stiftung, über gesellschaftlichen Wandel und die Rolle der Architekten und Ingenieure

In 2016 kündigt Ines Miersch-Süß die Gründung der MSAO FUTURE FOUNDATION in der Aprilausgabe von AD (Architectural Digest) an. Nur ein Jahr später, im Februar 2017, wird das Vorhaben Realität. Die Stiftung hat ihren Sitz in Sachsen, dem Land der Ingenieure, das dem Ingenieur-Engagement einen äußerst fruchtbaren Boden bietet.

Warum haben Sie Dresden als Sitz der Stiftung gewählt?

Die Stifter und auch ich leben in Sachsen. Dieses Land befindet sich seit Jahren im Aufbruch und in der Erneuerung, wobei es sich in unseren Augen gerade jetzt noch mal ganz neu aufstellen muss. An diesem Prozess wollen wir uns beteiligen, nicht nur als Architekten und Ingenieure, sondern auch mit Blick auf sächsische Entwicklungspotenziale und auf gesellschaftliche Herausforderungen, die dringend einer Lösung bedürfen. Dank unserer tiefen inneren Verwurzelung in dieser Region und dank unseres fachlichen Backgrounds können wir diesen Prozess in vielerlei Hinsicht bereichern. Zugleich bringen wir jedoch eine internationale Perspektive mit ein, die auch mal ganz andere, überraschende Ausblicke ermöglicht.

Die Stiftung versteht sich als Initiator und gibt den Anstoß zu Projekten, die Zukunftsthemen betreffen. Was würden Sie als den wichtigsten Grundpfeiler der Stiftungsarbeit definieren?

Im Wesentlichen geht es um das Erkennen des Heute als Zukunft. Nur das, was wir heute erkennen und gestalten, wird reale Zukunft sein, unabhängig von allen Prognosen, die nur eine Trendvorschau sein können. Kurz gefasst kann man auch sagen: Nur das, was man heute sät, kann morgen geerntet werden. Zukunft kennt keinen Aufschub.

Die Stiftung realisiert ihr Stiftungsgeschäft in einer festen Struktur mit neun Formaten. Ist das nicht ein etwas sehr enges Korsett?

Wir haben uns viel Zeit genommen, um herauszuarbeiten, was für uns die wichtigsten Schlüsselthemen für dieses Jahrhundert sind, für welches Werteverständnis wir stehen wollen und auf welche Arbeitsbereiche wir uns fokussieren wollen. Dabei haben wir auf wunderbare Weise Klarheit für unser Stiftungsgeschäft gewonnen. Die neun Formate fassen diese Positionen perfekt zusammen und bilden die Grundlage für Kontinuität. Das heißt, die einzelnen Projekte aus den Formaten werden fortgeschrieben und Jahr für Jahr weiterentwickelt. So können wir gut langfristig planen, unserer Arbeit Profil verleihen und auch die Wirkung optimal kanalisieren.

Junge Menschen spielen in der Stiftungsarbeit eine große Rolle. Was können diese hier lernen?

Junge Menschen lernen bei uns, dass sie etwas zählen und ein unverzichtbarer Baustein unserer Gesellschaft sind. Wir versetzen junge Menschen in die Lage, selbst etwas in die Hand zu nehmen und so zum Akteur zu werden. Sie erleben, wozu sie imstande sind, gewinnen Selbstvertrauen und sehen sich selbst aus einer neuen Perspektive. Wir sind dabei nur Helfer im Hintergrund.

Was ist das größte Zukunftsprojekt der Stiftung?

Das ist definitiv der CENTURY ENGINEERING AWARD. Wir wollen einen internationalen Preis auf den Weg bringen, der die Außenwahrnehmung von Sachsen als Ingenieurland fördert und sich zugleich in eine Reihe bedeutender internationaler Preise einfügt. Der Preis soll hoch dotiert sein, das ist definitiv die größte Herausforderung. Aber wir haben bereits Partner dafür gewonnen und sind zuversichtlich, dass uns dies Schritt für Schritt gelingen wird. Das Projekt steht bei unserer Stiftungsarbeit ganz klar im Zentrum der Aufmerksamkeit und erfordert daher große Sorgfalt.

Womit soll die Stiftung am ehesten in Verbindung gebracht werden, wenn man über sie spricht?

Mit den 17 Zielen für weltweite Nachhaltigkeit, die 2030 erreicht werden sollen! Wir binden diese Ziele in all unsere Vorhaben ein, denn das Entscheidende ist ja die reale Umsetzung. Genau dazu wollen wir einen wichtigen Beitrag leisten und haben damit bereits begonnen. In der Welt der Architektur und Ingenieure sind wir hier Pioniere. Wir arbeiten nach dem Ansatz der praktischen Einbettung – „What can Architecture do?“ oder auch „What can Mobility do?“. Der Begriff Nachhaltigkeit stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft und bedeutet den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen. Diesen Ansatz auch auf die Bekämpfung von Hunger, Armut und Ungerechtigkeit zu übertragen ist gedanklich einfach, aber nicht leicht umzusetzen. Da braucht es den Beitrag jedes Einzelnen, nicht nur politische Statements.

Neben den gesellschaftlichen Themen geht es sicher auch um Ingenieursthemen?

Ja, natürlich. Wissenstransfer, interdisziplinäre Entwicklungsarbeit und Zusammenarbeit sind hier die Eckpfeiler. Und hier wären wir wieder beim Stichwort säen. Alle großen Herausforderungen, ob Wohnungsnot in den Städten, Versorgungsnot in agrarschwachen Gebieten oder auch Naturkatastrophen, sind schlichtweg Themen der internationalen Gemeinschaft. Dafür müssen alle einstehen. Uns geht es in unseren Programmen um Teilhabe an Innovation, globale Partizipation und vor allem um die Fähigkeit der Selbstorganisation. Beim Exportieren von Lösungen aus Europa in andere Kulturen ist man bislang immer an Grenzen gestoßen. Wir arbeiten daran, die Menschen in die Lage zu versetzen, ihre Probleme durch ihre erworbene Kompetenz eigenmächtig zu lösen und eigene Konzepte zu entwickeln, die ihren individuellen kulturellen Maßstäben entsprechen.

Haben Sie bei Ihrer Stiftungsarbeit ein Vorbild, an dem Sie sich orientieren?

Nun, ich würde eher sagen, wir reihen uns ein in die Riege all der Architekten, für die es genau wie für uns eine Selbstverständlichkeit ist, sich neben der Entwurfsarbeit und dem Verfolgen eigener architektonischer Projekte auch gesellschaftlich zu engagieren. Man denke nur an die Fondazione Renzo Piano, die Norman Foster Foundation, die GMP-Stiftung des Hamburger Architekturbüros Gerkan, Marg und Partner oder die Professor Albert Speer – Stiftung. Wir lassen uns dabei durchaus von anderen inspirieren, wollen aber auch selbst Maßstäbe setzen.

Sie arbeiten zurzeit an 22 eigenen Projekten in Ihrem Design- und Ingenieurbüro. Wie bekommen Sie das alles zeitlich unter einen Hut?

Das geht mit Konsequenz und Freude an der Arbeit. Zwei Stunden pro Tag widme ich der Stiftung. Wir müssen nicht nur etwas tun, wir wollen mit unserem Ansatz auch Vorbild sein für unsere Kollegen. Als Architekten und Ingenieure können wir viel möglich machen, wenn wir wollen. Daraus ergibt sich automatisch ein effizienter Umgang mit den eigenen Kapazitäten.

Interview: Svenja Geithner



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