„Am Anfang des 21. Jahrhunderts
sind wir aufgefordert, die Leitlinien
für Architektur und Städtebau zu definieren,
die den Herausforderungen dieses Jahrhunderts
gerecht werden“

Ines Miersch-Süß

Arbeitsfelder

Städtebau und Architektur 21

Einen wichtigen Fokus der MSAO FUTURE FOUNDATION bildet das Thema STÄDTEBAU UND ARCHITEKTUR.
Dabei gehen wir konkret der Frage nach, wie gesellschaftliche Gemeinschaft durch Architektur gestaltet wird. Am ANFANG DES 21. JAHRHUNDERTS sind wir aufgefordert, die Leitlinien für Architektur und Städtebau zu definieren, die den Herausforderungen dieses Jahrhunderts gerecht werden.

Ines Miersch-Süß, Präsidentin der MSAO FUTURE FOUNDATION
Frank-Walter Steinmeier, Bundespräsident

„Es ist klar, dass unsere kulturellen Beziehungen und unsere Bildungspolitik im Zeitalter der Globalisierung nicht allein durch ästhetische Kriterien bestimmt werden können, sondern sich auch mit sozialen Fragen befassen“

Frank-Walter Steinmeier
in seinem Aufsatz Global Challenges, Order and Responsibility in Stories, Relations, Perspectives:
„It is clear that, in this age of globalization, our cultural relations and education policy cannot be informed by aesthetic criteria alone, but must also address social issues.“

ROLLE DER ARCHITEKTUR

In Zeiten, in denen Revolutionen rar werden, kann die Architektur mit ihrem ganzheitlichen Ansatz die gesellschaftlichen Veränderungen dauerhaft und tiefgehend gestalten: Sie ist permanent präsent und Raum gesellschaftlicher Entfaltung. Das Prozesshafte der Architektur macht das ständige Update gesellschaftlicher Veränderungen möglich. Welche Stellung nimmt die Architektur in gesellschaftlichen Gestaltungsprozessen ein, ist sie noch Partner von Politik und Verwaltung?

Mit den FUTURE TALKS wollen wir 2020 dieser Frage nachgehen.

BAUHAUS 100 – LEITGEDANKEN 2019

2019 beging das Bauhaus, das die Architektur und Städtebauideen für das 20. Jahrhundert maßgeblich prägte, seinen 100. Geburtstag. Aus diesem Anlass wurden gleich drei Museumsneubauten in Deutschland geplant (Weimar, Berlin, Dessau) und die beiden Bauten in Weimar und Dessau auch schon eröffnet. Spätestens damit wird das Bauhaus Teil der Architekturgeschichte, und das ist gut so!

Ines Miersch-Süß

Architektin
MSAO MIERSCH SUESS ARCHITECTURAL OFFICES

Präsidentin
MSAO FUTURE FOUNDATION

Dresden, 16.10.2018

  1. Für Romantiker bleibt das Bauhaus das Nonplusultra und damit ewig modern.
  2. Doch nur wer loslässt, kann Neues schaffen.
  3. Die Bauhaus-Errungenschaften gehen dabei natürlich nicht verloren.
  4. Im 21. Jahrhundert müssen Architekten ihre Rolle in der Gesellschaft neu hinterfragen. Geht es um Design? Le Corbusier, Gropius und andere, sie wollten nur eins: Licht, Sonne und gute soziale, hygienische Lebens- und Arbeitswelten für alle. Ausgehend von den teilweise mittelalterlichen Verhältnissen in den Industriestädten Anfang des 20. Jahrhunderts, vereinfachten sie das Bauen. Diese Stilkrönung, die bis Ende der 60er die Gesellschaft in allen Teilen erreichte, zog ab den 70ern dann mit Serienprodukten leider auch den Anfang von Design als beliebiger Massenware nach sich. Design, Architektur, Bauen wurden mit der Moderne und Postmoderne liberalisiert. Es wird willkürlich restauriert und rekonstruiert, und zudem entsteht eine steigende Zahl von Bauträgersiedlungen, industriellen Fertigbauten und dergleichen mehr.
  5. Die Archive und Sammlungen des Bauhauses können im 21. Jahrhundert die Kreativität neu beflügeln und als eine Art Ingenieur-Thinktank dienen, der dazu animiert, Neues zu erschaffen, Wagnisse einzugehen und sich auf Experimente einzulassen. Das alles muss präsent und für nachfolgende Generationen sichtbar bleiben, damit die Gestaltungsmöglichkeiten zur (gesellschaftlichen) Veränderung auch weiter gegenwärtig sind.
  6. Die Rolle von Architekten kann es nicht sein, sich der Gesellschaft zu ergeben. Wir müssen aktiv Leitbilder schaffen, müssen Kraft und Motor sein, aber nicht als Stararchitekten, sondern mit visionären Impulsen für die Gesellschaft.
  7. Am Anfang des 21. Jahrhunderts sind wir – die Architekten – aufgefordert, die Leitlinien für Architektur und Städtebau zu definieren, die den Herausforderungen dieses Jahrhunderts gerecht werden.
  8. 2019 war ein gutes Jahr, um damit ernsthaft anzufangen.

Lebt das Bauhaus noch?

Ein Beitrag von Ines Miersch-Süß im „Deutschen Architektenblatt“

„Im 21. Jahrhundert müssen Architekten ihre Rolle in der Gesellschaft neu hinterfragen“

Ines Miersch-Süß, Architektin

KNOWLEDGE SOCIETY

Die Wissensgesellschaft wird das 21. Jahrhundert maßgeblich prägen. Wissen als ökonomische Grundlage verändert soziale, organisatorische, ökonomische und technische Abläufe. Um diesen komplexen Innovationsprozess zu meistern, müssen wir mehr über Wissen, seine Herkunft und Entfaltung erfahren. Wissen macht Intelligenz aus. Wenn Daten & künstliche Intelligenz die menschliche Intelligenz erweitern, müssen wir die Quelle von Intelligenz – das Wissen und die Wissensspeicher – neu einordnen.

Mit der Veranstaltungsreihe rund um Bibliotheken gehen wir seit 2017 dieser Frage nach und veröffentlichen die Ergebnisse gemeinsam mit dem DEGRUYTER Verlag erstmals in einem Buch zu Anfang 2021.

Bibliotheken

KNOWLEDGE SOCIETY ist ein Themenschwerpunkt der MSAO FUTURE FOUNDATION im Arbeitsfeld „Städtebau und Architektur im 21. Jahrhundert“. Wir wollen den neuesten Entwicklungen, Herausforderungen und Aufgaben der Architektur für das 21. Jahrhundert nachgehen, wollen sie gesellschaftlich in den Fokus rücken und zur Diskussion stellen.

Der Lesesaal war über Jahrhunderte das Herzstück einer Bibliothek. Als Studierzimmer mit streng geordneten Bankreihen, in denen sich jeder für sich (allein) seiner Bücherauswahl widmete und las. „Leise, still und sehr akademisch“ – so lässt sich die Aura einer klassischen Bibliothek beschreiben, die ein Ort der konzentrierten Ruhe war.

Bibliotheken haben sich in den letzten 20 Jahren nahezu unbemerkt verändert.

Sie sind mehr als je zuvor Publikumsmagneten. Sie haben sich früh und bewusst auf die Digitalisierung eingestellt, haben die veränderten Bedürfnisse und den wachsenden Wunsch ihrer Nutzer nach einem Arbeiten in Gemeinschaft erkannt und dafür neue Raumkonzepte entworfen. Letztere sind die Basis einer Bibliothek, wie sie im 21. Jahrhundert fortbesteht und sich neu erfindet mit unglaublicher gesellschaftlicher Akzeptanz.

Aufbruch in die Wissensgesellschaft

International Library Summit

Departure into the knowledge society: Libraries in the 21st Century – How They Change Society and Architecture

On 4 October 2019, projects and guests from 20 nations got together in Venice. Innovative architectures and library concepts for the knowledge society in the 21st century were introduced. For the first time, the Innovation Building Award was presented.

The 1st International Library Summit brought together the ideas from architects and librarians for a 21st century library and put them up for discussion. Innovative architectural concepts for the opening of the library for the many were a key issue.

„In the 21st century, we are moving towards a knowledge society. In addition to the growing influence of data and artificial intelligence, human intelligence is becoming more important.“

Ines Miersch-Süß
Architect & President of MSAO FUTURE FOUNDATION

Preparatory podiums

Im April 2018 fand die offizielle Eröffnung der Qatar National Library statt. Ein offener Raum mit vielen Angeboten rund um das Thema Buch: Ein Museum, ein offenes Buchregale-Magazin, ein Co-Working-Space, ein Auditorium, das mal Kino, mal Theater ist, Studierzimmer, Lounges, Café und mehr fügen sich in einem Raum aneinander, frei im Raum gestaltet, nebeneinander, ineinander übergehend. Die MSAO FUTURE FOUNDATION veranstaltete zwei Podiumsdiskussionen zur Veränderung der Gemeinschaft und Architektur im 21. Jahrhundert. Im Video stellte Rem Koolhaas zur Einführung in die Diskussion sein Projekt vor.

17.1.2019 · Bibliotheken im 21. Jahrhundert –
wie sie unsere Gemeinschaft und die Architektur verändern

© MSAO FUTURE FOUNDATION/DANIEL KOCH

Eine Kooperationsveranstaltung mit der SLUB
(Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden)

Bei der ersten Podiumsdiskussion anlässlich der offiziellen Eröffnung der Qatar National Library (#QNL) diskutierten Vincent Kersten, Claudia Lux, Achim Bonte und Georg Gewers über die oben beschriebene Veränderung der Bibliothek hin zu einem Bau für die Gemeinschaft sowie ihre künftige Rolle in der modernen Wissensgesellschaft.

© MSAO FUTURE FOUNDATION/DANIEL KOCH

FAZIT DIESES PODIUMS

  • Bibliotheken nehmen als Träger gesicherter Informationen eine neue, bedeutende Rolle unter den Bauten für die Gemeinschaft im 21. Jahrhundert ein. In einer virtuellen Informationswelt machen sie Wissen verlässlich, im Idealfall kostenfrei und gemeinschaftsbildend für die breite Gesellschaft verfügbar.
  • Die Art der Nutzung ändert sich derzeit rasant. Alles wird auf den Kopf gestellt und sortiert sich neu. Neue flexible Arbeitswelten schaffen neue Perspektiven für die Gemeinschaft.
  • Architektur ist Politik. Politik und Architektur müssen sich ihrer Rolle bewusst sein, die diese Veränderung in der Hand hat, gestaltet und erst ermöglicht.
  • Die Geschwindigkeit der Veränderung ist so groß, dass das Umbauen und das Neuerfinden von Raum permanent möglich sein muss. Erst durch diese Flexibilität wird das Bilden einer neuen Gemeinschaft im 21. Jahrhundert Realität.

    23.1.2019 · Digitale Welten in der Bibliothek –
    wie sie unsere Gemeinschaft und die Architektur verändern

    Eine Kooperationsveranstaltung mit der DNB (Deutschen Nationalbibliothek) in Leipzig

    Das Konzept der neuen katarischen Nationalbibliothek schließt eine Vielfalt neuer digitaler Anwendungen für Besucher aller Altersstufen ein. Die Bibliothek selbst ist ein Hightech-HUB digitaler Vernetzung. Eine „Smart Architecture“, die das kulturelle Erbe in eine aktuelle Wissenswelt weiterdenkt.

    Ebendiese Neuausrichtung stand bei der zweiten Podiumsdiskussion im Mittelpunkt, bei der Christian Bergmann, Benedikt Schulz, Claudia Lux, Michael Fernau und Ulrich J. Schneider gemeinsam mit dem Moderator Thomas Bille die Entwicklung der Bibliothek hin zu einem Bau für die Gemeinschaft erörterten.

    © MSAO FUTURE FOUNDATION/DANIEL KOCH

    FAZIT DIESES PODIUMS

    • Digitale Welten in der Bibliothek bringen einen neuen, emotionalen Faktor ein und gestalten Wissensaneignung durch vielfältigen Zugang. Neues Wissen wird generiert. Wissen als Motor für Kreativität wird in den Mittelpunkt gestellt.
    • Digitale Welten machen Abläufe in Bibliotheken sicher und führen zu mehr Transparenz und Zugang zu allen Bereichen dieser Wissensarchive. Partizipation ist die neue Herausforderung; das heißt, Zugang zu Information und Wissen für alle Generationen und gesellschaftlichen Schichten.
    • Architektur ist Politik. Sie steht vor der Aufgabe, diese sich wandelnde Nutzung der Bibliotheken in den Entwurfs-, Planungs- und Bauprozess zu integrieren.
    • Die Geschwindigkeit der Veränderung ist so groß, dass das Umbauen, das Neuerfinden von Raum permanent möglich sein muss. Erst durch diese Flexibilität wird das Bilden einer neuen Gemeinschaft im 21. Jahrhundert Realität.

      20.05.2017 · Preview der QaTAR NATIONAL LIBRARY

      „In Qatar every thing begins with friendship“

      Ein Jahr vor der offiziellen Eröffnung im Jahr 2018 realisierte unsere junge Stiftung zusammen mit Prof. Claudia Lux, der Projektmanagerin der Qatar National Library of Qatar Foundation, einen der ersten Preview-Besuche in diesem architektonisch innovativen Gebäude. „In Katar beginnt alles mit der Freundschaft“, lautete das Thema unserer Einladung, der Ingenieure, Architekten und Mitarbeiter verschiedener Ausbildungsinstitute der Qatar Foundation folgten – darunter Katarer wie Teilnehmer anderer Nationalitäten.

      FAZIT DIESES PODIUMS

       

      • Menschen interessieren sich für Architektur, sie verstehen sich als Teil dieser Räume und wollen verstehen, warum und wie Architektur ihre innovative Form findet.
      • Wenn Menschen unterschiedlicher Kulturen und Herkunft aufeinandertreffen, entstehen spannende neue Perspektiven und Austausch.
      • Begegnung ist ein tiefes Bedürfnis des Menschen. Dazu braucht es mehr Anlässe und Möglichkeiten.
      • Einmal hinter die Kulissen von Organisationen zu schauen löst Barrieren und Grenzen auf. Menschen wollen verstehen, wie Dinge funktionieren.