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und Verantwortung zusammen.

WARUM DIE STADTARCHITEKTUR DER ZUKUNFT WIEDER AGORA SEIN MUSS

von Ines Miersch-Süss

EINE AGORA FÜR DRESDEN

DAS KÖNIGSUFER ist der prächtige städtische Landschaftsraum gegenüber dem Elbufer mit der Brühlschen Terrasse, dem Forum um die Semper-Bauten und den sich daran anschließenden modernen Architekturen, die gelebte Bauwerke der Demokratie und Partizipation unserer Zeit sind, Zeugnisse der Innovation und eines Pioniergeistes, der unentwegt seit Jahrhunderten nach Modernität strebt.

Diese Zeiten jedoch scheinen stehengeblieben zu sein, hier am KÖNIGSUFER wo sich Sachsen mit Landesregierung, Parlament und seinem Kulturerbe der Welt präsentiert. Denn hier soll sich die nachgebildete Architektur im Stile des 19. Jahrhunderts als die Zukunft und Visionäre Gestaltungskraft Sachsens und seiner Landeshauptstadt repräsentieren. So die Entscheider und Berater des Wettbewerbs zur Neugestaltung des Königsufers. 80 Prozent des heutigen Grundbesitzes „KÖNIGSUFER“ befinden sich noch im öffentlichen Eigentum der Stadt, des Landes und des Bundes, also im Eigentum der Bürger. Um eine kleinteilige und vor allem öffentliche Architektur mit Läden, Eigentumswohnungen und Büroräumen am Elbufer zu realisieren, „auf die Touristen schauen“ braucht es Investoren. Das heißt, die gesamte bisher öffentliche Fläche in Öffentlicher Hand muss für diese Realisierung in privates Eigentum veräußert werden. Dieser öffentliche wertvolle Besitz ist dann als Zukunftsstädtebau für die Bürger der Stadt und ihrer Teilhabe und Entfaltung verloren. Dies bedeutet auch den Verlust einer großen Chance, die im Kulturerbe verankerte Innovationskraft eines Landes und seiner Landeshauptstadt zu nutzen um eine Zukunftsstadt nach den Erfordernissen der heutigen Zeit zu bauen. Das KÖNIGSUFER war über Jahrhunderte der Innovationsraum Sachsens, an dem internationale Entwicklungen in Dresden einen Raum fanden und ihr Potential entfalten konnten, das gleichsam zu internationalem Ansehen führte.

Eine AGORA „KÖNIGSUFER“ ist als MASTERPLAN gestaltet eine große Chance, ein großer Schritt auf dem Weg zu einer Zukunftsstadt im 21. Jahrhundert mit dem POTENTIAL für VERÄNDERUNG für eine innovative, nachhaltige Stadtarchitektur der Zukunft.

Die AGORA - DAS ZUKUNFTSFORUM KÖNIGSUFER im 21. JAHRHUNDERT - bedeutet die Vervielfachung der historisch gewachsenen INNOVATIONSKRAFT in einen GESTALTUNGSWILLEN VON HEUTE als Motor der Transformation und Veränderung zur Wertschöpfung von Möglichkeiten für Menschen durch Programm & Potential des Standortes.

Wenn wir der Stadtplanung ein klares Programm geben, können wir den Stadt-Gestaltungsprozess vollständig als eine fokussierte Umsetzung von Visionären Zukunftsstädten annehmen.

Können wir unsere Städte zwischen Erbe und Zukunft als nachhaltige Orte für alle Generationen bauen?

DIE AGORA IST EIN BEDEUTENDER SCHRITT IN DER ENTWICKLUNG DER DEMOKRATIE.

Die Agora war im antiken Griechenland der zentrale Fest-, Versammlungs- und Marktplatz einer Stadt. Sie war damit eine bedeutende gesellschaftliche Institution und ein kennzeichnendes Merkmal der griechischen Polis.

Die Agora - „Marktplatz“ - in Athen war in der griechischen Antike ein Versammlungsplatz der Polis und wurde für die Heeres-, Gerichts- und Volksversammlungen der freien Bürger genutzt. Er existiert seit etwa dem 5. Jahrhundert v. Chr. und bildet einen Gegensatz zum kultischen und politischen Machtzentrum der archaischen Burganlage, der Akropolis.

Werden wir unserer Zeit vertrauen? Haben wir den Mut, unsere Zeit nach ihren Erfordernissen zu gestalten?

Der MASTERPLAN AGORA KÖNIGSUFER zeigt im Gesamtkonzept auf, wie die Stadt im 21. Jahrhundert durch die präzise Formulierung eines Programms den Herausforderungen unseres Jahrhunderts gerecht wird und Form geben kann. Die AGORA ist dabei strategisches Synonym für das Prinzip der Stadtgestaltung als Forum und als solcher, nachhaltiger Lebensraum für ihre Bewohner und deren Zukunft durch eine gesunde Gesellschaft. Dabei wird der vorhandene, über Jahrhunderte und Generationen kontinuierlich gewachsene Ansatz der Agora aufgegriffen und in ein urbanes Zukunftsforum unserer Zeit weitergebaut.

Dieses Projekt verfolgt die Intention, in den politischen Entscheidungskreisen das Bewusstsein für die Notwendigkeit und Dringlichkeit der Thematik zu wecken, die Chancen und das Potential aufzuzeigen, dass zu neuen Entscheidungen führen kann.

Das Gesamtkonzept „Eine Agora für Dresden – Königsufer Canale Grande“ baut als Re-Design auf die historisch bereits angelegten und vorhandenen Stadtgestaltungsstrategien dieses Raumes auf. Mit den raumgreifenden Bezugsachsen, dem Brunnenkonzept und den Aussichtsterrassen entsteht zwischen den zwei Elbufern eine verbindende Strategie, die ergänzt und ausgebaut wird. Die teils vorhandenen und neuen Palais-Bauten werden mit neuen Inhalten zu einzelnen Foren weiterentwickelt und greifen thematisch die wichtigsten Themen unserer Zeit auf. Als Ganzes bildet dies die AGORA. Als Forum vereint es die Bedürfnisse der Stadtbürger und der Gesellschaft, ausgedrückt in den Themen Demokratie, Innovation, Avantgarde, Nachhaltigkeit. So formt sich durch ein programmatisches Gesamtkonzept der MASTERPLAN AGORA KÖNIGSUFER.


Der Masterplan AGORA KÖNIGSUFER kann erneut Inspiration sein für Veränderung und Wandel, zwischen Erbe und Zukunft der Stadt im 21. Jahrhundert als treibende Kraft für Innovation.


INNOVATION - & NACHHALTIGKEITSSTRATEGIE

Der zentrale Innovative Aspekt liegt in der Re-Invention der AGORA als Stadtforum und als Ausgangspunkt einer urbanen gestalteten Stadtlandschaft, die durch ihre Bewohner gelebt wird. Sie lässt keine Privilegien zu. Die AGORA ist Programm und Vision einer bürgerlichen Gesellschaft, die Stadtraum als Open Access und für die Bürger als gestalteter Lebensraum verkörpert. Durch das stadtgestaltende Prinzip der AGORA wird Stadtgestaltung als Aufgabe der Gemeinschaft erlebbar. Die einzelnen Foren dienen der Bildung und Entwicklung des Einzelnen wie der Gemeinschaft.

Dieses Projekt hat sich intensiv mit dem Thema und den Inhalten einer zukunftsweisenden Stadtgestaltung für Nachhaltigkeit und Menschlichkeit auseinandergesetzt. Durch das Aufzeigen der historischen Perspektive sollen Potential und Weitsicht für die Gestaltung dieses großen Stadtareals aufgezeigt werden. Als Gesamtkonzept schließt es die Herausforderungen und Probleme des 21. Jahrhunderts in die Gestaltung des Stadtraumes als Ganzes ein.

Soziale Aspekte – Die Menschen der Stadt haben uneingeschränkten Zugang zum Innen und Außenraum. Die Bauten dienen der Bildung und Wissensentfaltung und schaffen Raum für gemeinsame Gespräche außerhalb parlamentarischer Foren. Denn das gemeinsame Reden und der Austausch schaffen die Basis für Verständnis und sind Grundlage für Akzeptanz und somit für eine gesunde Gesellschaft.

Ökonomische Aspekte – In einem Stadtraum, der ohne Privileg jedem die gleichen Möglichkeiten für persönliche Entfaltung schafft, Zugang zu Wissen und Bildung über Schulen hinaus als ein Life-Long-Learning betrachtet, gestaltet auch ökonomische Entwicklung. Denn Innovation und Gründergeist brauchen eine breite Wissensgesellschaft ohne Unterscheidung von Herkunft und Klasse oder finanziellen Möglichkeiten als Teilhabe.

Ökologisch Aspekte – Landschaft wird in dieser AGORA als echter Naturraum gestaltet, ohne Versiegelung. Es werden für die technische Gebäudeausstattung nur die innovativsten, Ressourcen schonendsten Technologien zugelassen. Nachhaltigkeit wird in die Mitte der Gesellschaft gerückt und erlebbar und dadurch auch durch die Gesellschaft bewusst gelebt.

AGORA - DAS KÖNIGSUFER IM 21. JAHRHUNDERT

Die Planung einer Stadt ist eine große Verantwortung und Herausforderung. Es ist der größte, zusammenhängende, gebaute Lebensraum seiner Stadtbürger und Stadtgäste. Seine Qualität bestimmt das Leben und die Zukunft der Menschen und ihrer Gemeinschaft auf lange Zeit.

Menschen wünschen sich persönliche Entwicklung, die Möglichkeit eine Familie zu gründen und die Kinder aufwachsen zu sehen und eine gesundes Leben. Sie brauchen Möglichkeiten der Entfaltung.

Die Stadt bietet diese Möglichkeiten durch gebauten Raum für seine Menschen, seine Stadtbewohner. Der dritte Raum, der öffentliche Raum ist von immanenter Bedeutung. Hier liegt das Potential der Mitbestimmung, der Integration, der Teilhabe – Voraussetzung für gelebte Demokratie.

Eine Stadt wird in dem Masse an ihrer Zukunftsfähigkeit gemessen, wie sie Innovation, Transformation und Nachhaltigkeit als kontinuierliche Prinzipien fortschreibt. Die Vorfahren haben die Grundlagen dieser Stadtgestaltung gelebt und mit Sorgfalt und Pioniergeist zugleich Innovation, Transformation und Nachhaltigkeit nach den besten Möglichkeiten ihrer Zeit in die Tat umgesetzt.

Eine AGORA für Dresden ist ein großangelegtes Projekt. Es kann Vorbild sein und Inspiration in Europa und International, weil es über einen einzigartigen Landschaftsraum verfügt, und auf eine große Tradition der Transformation und Innovation aufbauen kann.

Städte wie Hamburg, Aarhus, Antwerpen und Barcelona haben diese Wege bereits beschritten. Sie sind Vorreiter und haben ihre Städte mit dem erforderlichen Zeitgeist neu gedacht und transformiert für Ihre Stadtbewohner.

AGORA - EINE STADT FÜR DAS 21. JAHRHUNDERT

Der Städtebau des 21. Jahrhundert muss sich an den Pionierleistungen der vorausgehenden Jahrhunderte messen, nicht als historisierende Kulisse, sondern als Bekenntnis und Fähigkeit, die Möglichkeiten der eigenen Zeit zu nutzen.

Eine gesunde Gesellschaft wird das Ergebnis sein, in der soziale, ökonomische und ökologische Aspekte die Entscheidungen lenken im Einklang von Mensch und Natur.

AGORA - WIE GELINGT DIESER MASTERPLAN?

Der erste Schritt für ein solches großes Städtebauprojekt, das sich mit Europäischen Kulturhauptstädten wie Aarhus und Bilbao messen kann, ist ein gemeinsamer Wille für Veränderung und Erneuerung durch eine Stadtgestaltung für Bürger. Neue Erkenntnisse führen zu neuen Entscheidungen. Offene und transparente Diskussion schaffen es, alle Menschen und Generationen der Stadt in diese Gestaltungsaufgabe einzubeziehen.

Nicht die losgelöste Form führt zu nachhaltiger Stadtgestaltung, sondern das visionäre Leitbild mit Programm ist Ausgangspunkt der Formbildung.

Dem Zusammenspiel in einer Projektgemeinschaft aus Landeshauptstadt mit Landesregierung und Bund sowie den einzelnen Privateigentümern in einem Projektteam folgt diesem gemeinsamen Willen.

Die verfügbaren Grundstücksflächen werden intelligent, nachhaltig und für die gesamte Gesellschaft wertschöpfend genutzt. Grundstückstausch schafft sinnvolle, zusammenhängende Nutzflächen, die zu Raumensembles ausgestaltet werden. Für private als auch öffentliche Nutzungen entsteht neuer wertvoller Raum. Öffentliche Platzgestaltung, Parks und Wege schaffen fließende Verbindungen und weiträumlichen Zusammenhang der verbindet.

Die einzelnen Foren werden durch Bildung von Stiftungen zu Investitionsfonds. Gemeinsame Positionen sind die Ausgangsposition um neue, für das 21. Jahrhundert adäquate Institutionen zu schaffen. Der einstige Wandel, der sich durch alle Jahrhunderte gleichsam vollzieht wird auch im 21. Jahrhundert fortgeschrieben, für eine Kontinuität der Innovation.

AUFBRUCH IN DIE WISSENSGESELLSCHAFT!

Brief aus der Zukunft“

Entlang des Dresdner Elbeufers, wo August der Starke einst die Idee des Canale Grande begann, wo Semper seine berühmtesten Bauwerke für die Kunst der Stadt erschuf, Raddampfer und Dampfschiffe dem Strom bis Prag und bis zum offenen Meer in Hamburg folgen, wo Schlösser noch heute mit filigraner Anmut den Fluss säumen, wo Wiesen, Gärten, Parks und Auen einen unvergleichlichen Landschaftsraum von der Sächsischen Schweiz bis ins Zentrum der Stadt folgen, dort hat ein neues Forum Gestalt angenommen. Es ist das größte angelegte Bauprojekt der Stadt Dresden zusammen mit dem Land Sachsen und der Bundesrepublik Deutschland, dass es sich zur Aufgabe gemacht hat, linkes und rechtes Elbufer zwischen mit Königsufer und Terrassenufer für das gesunde Leben der Menschen dieser Stadt wieder natürlich miteinander zu vereinen.

Dieses Stadtentwicklungsprojekt „AGORA KÖNIGSUFER“ wird die Uferpromenade an die Stadt und Ihre Bewohner zurückgegeben mit neuen Räumen und Plätzen am Wasser für neue Aktivitäten und Events, für junge Menschen, wie alte Menschen, für Kinder und Familien und die Gäste der Stadt. Jeder einzelne Raum ist offen und ohne Privileg für alle zugänglich als Bauwerke des Dritten Ortes.

Im Epizentrum stehen vier neue Foren mit Terrassen und Parks und einem Platz, die den Themen unserer Zeit folgen und gewidmet sind. Jedes einzelne Forum ist wertvoll und fügt sich als einzelne Perle sanft in den Landschaftsraum. Städtebauliche Transparenz schafft Durchblicke in die angrenzenden Stadtteile. Das weit gefasste Netz der Wasserspiele wird ergänzt. Die Stadt spannt einen Bogen vom Albertplatz bis zum Theaterplatz.

Die „AGORA KÖNIGSUFEER“ mit ihren Foren ist ein dynamischer, inspirierender Rahmen für alle die ihn nutzen werden, die Wissen suchen und Gemeinschaft. Mit einer Fülle von Einrichtungen, Büchern, digitalen Medien, Archiven, Maker Spaces, Ausstellungen, Sälen für Vorträge und theatralische Aufführungen, ein Café und Spielplätze im Freien, werden diese Foren der Treffpunkt im Zentrum der Stadt sein, für Demokratie und Gemeinschaft.

Die Verkehrswege sind beruhigt, sodass Besucher weiträumig flanieren und die Stadt durchqueren können oder mit dem Rad die Stadt erobern. Immer wieder wechseln sich Wiesen, Auen, Parks und Gärten ab.

Die Bewohner der Stadt fühlen sich wieder willkommen. Sie sind stolz auf ihre „AGORA KÖNIGSUFER“, die auf einzigartige Weise Natur und Mensch in Einklang bringt, wo jeder Einzelne willkommen ist und ein Chance auf Entwicklung hat, wo Innovation, Veränderung und Internationalität zum Alltag der Stadt geworden sind.

Viele Menschen aus aller Welt kommen in diese Stadt, um von ihr zu lernen, von ihrem historischen Kulturerbe mit den reichen Kunstschätzen zu erfahren, von ihrem Pioniergeist aus Transformation, Nachhaltigkeit und Innovation und dem steten Drang, besser zu werden, sich einer Zeit zu stellen, bereit zu sein für das Informationszeitalter – nach wie vor – durch uneingeschränkte Kreativität auf allen Gebieten – mitten im Herzen der Stadt. Sie wollen sich die neue AGORA zum Vorbild nehmen, um weltweit nachzueifern und Städte für ihre Bürger zu bauen.

Die AGORA KÖNIGSUFEER hat Dresden zur gelebten Zukunftsstadt seiner Bürger gemacht.



© Architecture for this Century ist das Zukunftsprogramm der MSAO FUTURE FOUNDATION.
In den multi-, trans- und interdisziplinären Veranstaltungsformaten stellen wir die wichtigsten und aktuellen Fragen zur Rolle der Architektur für die Gesellschaft, zu Innovation und Zukunft sowie zu Internationaler Zusammenarbeit im 21. Jahrhundert.