Wir stehen am Anfang des 21. Jahrhunderts.
Vor uns liegt die Zukunft, die wir heute gestalten.
Diese Herausforderung treibt uns an.

Ines Miersch-Süß

Laudatio für den Century Engineering Award 2023 (Europa) der MSAO Future Foundation

Prof. Dr. Claudia Lux

Sehr geehrte Preisträger,

Am 2. November 2023 tagte das Advisory Board als Jury für den Century Engineering Award 2023 der MSAO Future Foundation Dresden, die mit diesem Preis neue Akzente und Maßstäbe zur Einordnung und öffentlichen Wahrnehmung der wichtigsten Themen in der Zukunftsgestaltung des 21. Jahrhundert setzen möchte.

Der Century Engineering Award ist ein Preis für herausragende Ingenieur-Leistungen im Kontext von Nachhaltigkeit und Innovation mit gesamtgesellschaftlicher Relevanz. Bei der Auswahl der Nominierungen wird beachtet, dass ein Ingenieur- Zusammenhang gegeben ist – dabei sind Ingenieurkenntnisse in ihrer Vielfalt zu sehen. „Nicht die Erfindung soll Gegenstand der Preisverleihung sein“, so die Präsidentin Ines Miersch-Süß, „sondern das Handeln und Wirken in komplexen Prozessen, wobei Prozessdenken für Nachhaltigkeit und Innovation mit gesamtgesellschaftlicher Relevanz gepaart sein sollte“.

Verliehen wird der Preis an Unternehmen oder Institutionen. Die Preisträger Auswahl findet im fortlaufenden Wechsel nach Kontinenten statt. Nachdem im letzten Jahr Afrika im Mittelpunkt stand, war in diesem Jahr Europa im Fokus.

Das Advisory Board entschied nach lebhafter Diskussion und Abwägung aller Aspekte den

Collective Incubator e.V.

an der RWTH Aachen mit dem diesjährigen Preis auszuzeichnen.



Begründung:

Das Advisory Board war von der Entstehung, Ausrichtung und praktischen Relevanz des Collective Incubator sehr begeistert. Der von Studierenden ehrenamtlich getragene Verein Collective Incubator e.V. ist eine Co-Innovationsplattform für Studierende, Forschende sowie Unternehmen zur Vernetzung und für die gemeinsame Gründung neuer Unternehmen an der RWTH Aachen.

Es ist einer der größten technischen Inkubatoren Europas, der gezielt für Studierendeninitiativen und Projekt Teams der Forschung geöffnet ist. Der Collective Incubator ist der zentrale Hotspot für universitäre Start-ups und studentische Initiativen in Aachen. Er fördert Unternehmertum und Innovationsgeist und unterstützt bei der Umsetzung von Innovationsprojekten und Start-up Gründungen durch Bereitstellung umfangreicher Infrastrukturen und Beratung.

„Der Collective Incubator bietet auf seinen 3.600 Quadratmetern neben Büros, die an Gründungsteams für den Zeitraum eines Jahres vergeben werden können, Platz für studentische Initiativen, einen Co-working-Space mit modernsten Büroräumen. Im Maker Space – einer Werkstatt mit über 1.200 Quadratmetern Nutzungsfläche – steht ein Maschinenpark zur Metall-, Holz-, Plastik-, Elektronik-, und Textilverarbeitung sowie 3D-Druck zur Verfügung.“ Die Infrastruktur wird vom Land NRW gefördert. Damit werden 240 Initiativen bei ihrer Arbeit vor Ort an innovativen Produkt-Entwicklungen und Geschäftsmodellen unterstützt. Der Collective Incubator bietet einfachen und unkomplizierten Zugang für alle Fachgebiete von den Sozialwissenschaften bis hin zur Weltraumforschung. Er schafft damit zwischen Studierenden, Forschenden und Unternehmen ein Umfeld aus Kollektivbewusstsein, Zusammenhalt und Teamerfahrung auf Augenhöhe. Dazu gehören zahlreiche Events und Weiterbildungsmöglichkeiten.

Das Besondere dabei ist, dass der Collective Incubator nicht nur von Studierenden gegründet wurde, sondern auch bis heute von ehrenamtlichen Studierenden geführt wird. Das Advisory Board sieht darin die gesellschaftliche Relevanz, indem der Collective Incubator neue Maßstäbe der Selbstorganisation setzt und den Studierenden die Möglichkeit gibt, im geschützten Raum Verantwortung zu übernehmen, Innovationsinitiativen zu ergreifen und diese nachhaltig zu verfolgen.

Ich möchte Ihnen hier auf der Basis von Informationen und Zitaten von der Webseite den Collective Incubator einige Details vorstellen. „Baue mit uns den führenden Tech Incubator Europas auf!“ heißt es auf der Webseite. So werden Studierende, die sich für Innovation und Gründertum begeistern, aktiv angesprochen am Collective Incubator in einem der sechs Ressorts mitzuwirken und sich neben ihrem Studium ‚ehrenamtlich ‘ zu engagieren und so Erfahrungen in der Arbeitswelt zu sammeln.

Die Studierenden können z.B. beim Incubation Management aktiv werden, wo Innovationsprojekte mit Unternehmenspartnern konzeptioniert werden und so Talente, unternehmerische Anwendungsfälle und die entsprechende Infrastruktur zusammenkommen. Als Incubation Manager planen sie Hackathons, Techathons und Ideation Challenges und führen sie zusammen mit Unternehmen durch. Hierzu gehören beispielsweise ein Hackathon mit dem Spezialchemiekonzern Covestro, ein Ideenwettbewerb mit der Deutschen Bahn und das vom Collective Incubator entworfene und von Santander gestiftete Social Entrepreneurship Program zur Förderung von Social Businesses.

Beim Engagement von Studierenden im Partnership Management geht es um erste Erfahrungen in der Akquise von Unternehmen. Als Partnership Manager stellen die Studierenden die Schnittstelle zu Partnerunternehmen, Start-ups und studentischen Initiativen dar, werben neue Partner an und betreuen professionelle Kontakte. Zu den aktuellen Unternehmenspartnern des Collective Incubators gehören beispielsweise Siemens, Celonis, Saint-Gobin, Deutsche Telekom, Utimaco, Bain & Company uvm.

Das Event-Management ist ein weiterer Bereich für das ehrenamtliche Engagement von Studierenden. Hier können sie erste Erfahrungen sammeln und Mega-Events wie die Aachener Technology & Entrepreneurship Conference, kurz ATEC, mit über 3.000 Teilnehmenden mit organisieren. Außerdem arbeitet der Collective Incubator an modernen und innovativen Veranstaltungsformaten, die teilweise oder ganz digital durchgeführt werden können.

Beim Engagement für das Community Management werden Services entwickelt, damit viele neue und spannende Teams den Weg zum Collective Incubator finden. Hier engagieren sich die Studierenden in der Betreuung der Community und dem Betrieb des Co-Working Spaces. Dazu gehören beispielsweise der Aufbau der Co-Innovation Plattform, der Digitale Gründungsprozess, ein Expert Pool, aber auch ein Transporterverleih und vieles mehr.

Auch beim Public Relations des Collective Incubators können sich Studierende engagieren und dabei Erfahrungen im Social Media-Marketing machen und als PR-Manager für die Außendarstellung und Kommunikation des Collective Incubators zuständig werden. Neben den Sozialen Medien gehören auch die Pressearbeit und das Corporate Branding zu dieser Aufgabe.

Die Studierenden können auch erste Erfahrungen auf dem Gebiet der Human Resources sammeln. Hier geht es darum Talente zu entwickeln und der „Feel Good Manager“ für ein umtriebiges wachsendes Team zu werden, das Recruiting neuer Teammitglieder und die Bewerbertage zu organisieren. Außerdem gehört die Entwicklung des Angebots für Weiterbildungen zu dieser Aufgabe. Der Collective Incubator führt regelmäßig Gespräche mit allen Mitgliedern zur persönlichen Weiterentwicklung, man kümmert sich um das Team und plant Events zum Socializing.

In den hier dargestellten Entwicklungsmöglichkeiten für Studierende im Rahmen ihres ehrenamtlichen Engagements für den Collective Incubator e.V. sieht die Jury ein unermessliches Potential für zukünftige Innovation und Gründertum. Das Advisory Board zeichnet insbesondere den Gründergeist aus, der durch den Collective Incubator bei den Studierenden angeregt wird, und wie diese mit Raum und erforderlichen Strukturen kostenfrei experimentieren können, um den Sprung in die Selbstständigkeit zu gehen.

Als Ururenkelin des berühmten Chemnitzer Lokomotivenbauers und Maschinenfabrikanten Richard Hartmann interessieren mich Prozesse der Umsetzung von technischen Ideen in die erfolgreiche Praxis in besonderer Weise. So bietet der Collective Incubator den Studierenden ein Umfeld für Risikobereitschaft und die Möglichkeit des Scheiterns als wichtige Erfahrung im Prozess der Innovationsentwicklung. Der Collective Incubator unterstützt damit die Innovationskraft der Hochschule, was sich in der hohen Anzahl von Existenzgründungen ausdrückt. Hier seien nur einige der erfolgreichen Ausgründungen erwähnt (in alphabetischer Reihenfolge, wie es sich für Bibliothekarinnen gehört):

ACCURE: ist Batterieexperte und gewährleistet außergewöhnliche Batterieleistung - zuverlässig und sicher - mit preisgekrönter Analysesoftware,

Cylib bietet eine innovative und nachhaltige Lösung für das Recycling von Lithium Batterien an.

IonKraft Für Kunststoffverpackungen mit ihren hohen Anforderungen zur Lagerung chemischer Stoffe werden aktuell Multimateriallösungen verwendet, die teuer und nicht recyclebar sind. IonKraft hat eine spezielle Barrierebeschichtung und Anlagentechnik zu deren Abscheidung entwickelt, die eine bessere Leistung für weniger Kosten bieten kann, ohne dass auf Recyclefähigkeit verzichtet werden muss.

Nerit'e ermöglicht mühelose Bodenüberwachung in Echtzeit und verändert damit Art und Weise, wie Smart Farming praktiziert wird. So wollen sie es kostengünstig, qualitativ hochwertig, umsetzbar, digital und nachhaltig gestalten.

RIIICO: ist heute ein Unternehmen, dass die Erforschung, Entwicklung, Herstellung und Vermarktung von Produkten und Dienstleistungen zur Auswertung von räumlichen Informationen betreibt.

Urban Ray: Dieses Start-up hat sich zum Ziel gesetzt, die Warenzustellung in die dritte Dimension, den Luftraum, zu verlagern. Dazu hat das Team im Rahmen des Innovation Sprints einen Prototyp seiner autonomen Paketdrohne („Ray“) und der dazugehörigen Bodenstation („Hub) entwickelt. (vom Studierendenwettbewerb zum Prototyp und zum Markteintritt)

Voltfang: entwickelt nachhaltige Batteriespeicher zur Dekarbonisierung von Unternehmen.

Auch laufende Projekte sind auf dem Weg in die Existenzgründung und konnten im Oktober 2023 beim Stage Two in Berlin abräumen. Stage Two ist der größte paneuropäische Wettbewerb für die besten Start-ups, die aus führenden Universitäten hervorgehen. Das beste Startup jeder Universität präsentiert bei Stage Two vor europäischen Top-Investoren und Branchenführern. Der von der RWTH Aachen ins Rennen geschickte Kandidat IonKraft gewann den mit 20.000 Euro dotierten Jury-Preis. Dazu kommt der HTGF-Investment Prize mit 800.000 Euro und der STS Ventures Investment Prize mit 250.000 Euro. IonKraft erhält damit mehr als eine Million Euro für die weitere Entwicklung der nachhaltigen Kunststoffverpackungen.

Nur „wenn wir unsere Umwelt, unser soziales Leben und unsere Wirtschaft nachhaltig gestalten, sind wir zukunftsfähig und sichern die Chancen der nachfolgenden Generationen auf eine eigene Existenz“ (Ines Miersch-Süß). Der Collective Incubator schafft die Basis für die Entwicklung einer neuen Generation mit gesamtgesellschaftlicher Relevanz, da diese Generation durch eigenes Unternehmertum oder als verantwortungsvolle Führungskräfte die Gesellschaft in der Zukunft tragen wird.

Das Advisory Board anerkennt die Dynamik des Collective Incubator. Er ist nicht nur Vorbild für die Studierenden, er entwickelt sich selbst ständig weiter und benennt seine Ziele: Angebunden an die Exzellenz-Universität RWTH Aachen will der Collective Incubator sich zum führenden Tech-Incubator Europas entwickeln. So wird er zum Benchmark für Innovationszentren im 21. Jahrhundert in Deutschland, Europa und weltweit.

Der Collective Incubator hat den Century Engineering Award 2023 (Europa) wirklich verdient.

Im Namen aller Mitglieder des Advisory Board, Frau Prof. Dr. Beck, Frau Miersch-Süß. Frau Dr. Pufky-Heinrich, dem Sprecher Herrn Frosch und mir, gratuliere ich Ihnen sehr, sehr herzlich zu diesem Preis und wünsche dem Collective Incubator e.V. weiterhin eine so erfolgreiche Zukunft.